Der neue Arminenstammbaum WS 19/20

Was Studentenverbindungen von anderen Vereinen unterscheidet, sind die über Jahrhunderte entstandenen, weitergegebenen und auch heute noch gelebten Traditionen. Eine meiner liebsten Traditionen ist die der Bierfamilie. Ein neues Mitglied, der Fux, sucht sich eine Art Mentor aus den älteren Mitgliedern, den Burschen. Dieses sogenannte Leibverhältnis aus Leibfux und Leibburschen ist etwas das tiefer geht als eine „normale“ Freundschaft. Als Leibbursche gefragt zu werden ist gleichzeitig eine Ehre aber es wird damit auch eine Verpflichtung eingegangen. Durch die Leibverhältnisse entsteht eine Verbindung zwischen jedem einzelnen Mitglied der Studentenverbindung. Eine Verbindung, die bis zu den Gründungsmitgliedern zurückverfolgt werden kann. Dies schweißt zusammen und macht aus Freunden Familie. 

 

Der alte Arminen-Stammbaum auf unserem Haus wurde leider seit 1994 nicht mehr weiter gepflegt. Die seitdem neu eingetretenen Bundesbrüder wurden gar nicht mehr eingetragen und einige der Verbindungslinien aus früheren Generationen sind abgefallen. Seit einigen Jahren schon wurde immer wieder darüber gesprochen einen neuen Stammbaum zu machen. Dies ist bisher an zwei Punkten gescheitert. Zum einen ist es eine Heidenarbeit alle Leibverhältnisse zurück bis zu unseren Gründungsmitgliedern nachzuvollziehen und zum anderen ist die grafische Darstellung von so vielen Bundesbrüdern extrem schwer.

 

Unser Archiv und die Pflege des Mitgliederverzeichnisses liegen seit vielen Jahren in der Obhut von BB Repro. Unser BB Geo hat sich die Mühe gemacht und angefangen die Daten aus dem Mitgliederverzeichnis sowie einigen Aufschrieben aus dem Archiv zu rekonstruieren. Das in Excel erstellte Diagramm ist dabei so groß geworden, dass die Dateigröße und Ladezeit der Datei nicht mehr vertretbar waren. Deshalb wurde der Stammbaum zunächst in drei separate Dateien abgespeichert. Aus Mangel einer anderen Idee für die Darstellung lag das Projekt danach erst einmal wieder brach. 

 

Ich habe mir schon sehr lange überlegt, wie man den Stammbaum so darstellen kann, dass alle bisherigen Mitglieder und auch alle noch kommenden Generationen darauf Platz finden. Ich hatte den Einfall, dass es ja nicht umsonst Stamm-BAUM heißt. Bäume können unendlich wachsen und sind nun Mal nicht zweidimensional. Die Idee einen dreidimensionalen Baum „wachsen“ zu lassen hat mich also schon seit mehreren Semestern nicht mehr losgelassen. Zunächst hatte ich aber keine Ahnung, wie ich das praktisch umsetzen könnte. Im Wintersemester 19/20 kam mir dann der Gedanke ihn aus Draht zu wickeln. Jeder einzelne BB wird durch ein „Blatt“ dargestellt, welches von einem Stück Draht gehalten wird, dass sich von den Wurzeln des Baumes bis hin an die entsprechende Stelle des jeweiligen Astes windet. 

 

Um meine Idee zu Testen habe ich erst einmal klein angefangen und nur einen Teil unseres Stammbaums als Modell gebaut. Das Ergebnis hat mir so gut gefallen, dass ich mich gleich an die Umsetzung des ganzen Stammbaums gemacht habe. Ich gebe zu, den Umfang habe ich ein wenig unterschätzt, sowohl zeitlich als auch die schiere Größe und das Gewicht der einzelnen Äste. Mir wurde schnell klar, dass der dünne Draht sein Eigengewicht nicht halten kann. Also musste eine Stützstruktur her. Die Lösung war ein Skelett aus Drahtkleiderbügeln. Der dicke Draht der Bügel war wesentlich stabiler und hatte den Vorteil, dass ich den Baum in mehreren Einzelteilen wickeln konnte. Mein 14 qm Studentenzimmer war nämlich nach einer Weile an seine räumlichen Grenzen gestoßen.

Nach wahrscheinlich um die 100 Stunden Drahtwickeln war ich dann endlich so weit, dass ich den Baum auf dem Arminenhaus zusammenbasteln konnte. BB Fifa hat mir geholfen die Einzelteile aufs Haus zu fahren und ein Fundament zu betonieren. Im großen Saal war zum Glück die Decke hoch genug um auch das Gerüst für den letzten, noch aktiven Ast anzubringen.

 

Kurz vor der Abschlusskneipe waren die Äste fast fertig gewickelt, aber die „Blätter“ mit den Namen der BbBb haben noch gefehlt. Hierfür wurden über das gesamte Semester bei den Veranstaltungen die silberfarbenen Kronkorken der Chiemseer-Bierflaschen gesammelt. In den Weihnachtsferien hat mir mein Papa geholfen die etwa 600 Löcher zu bohren, in jeden Kronkorken eins. Die Beschriftung mit Kneipname und Aufnahmejahr sowie das Aufhängen an der richtigen Stelle habe ich als amtierender FM dann an meine sieben neuen Füxe delegiert. Dies war Teil der Fuxenaufgabe um sich ihre Kneipnamen zu verdienen.

 

Am Tag der Abschlusskneipe des WS 19/20 konnte der anwesenden Corona dann der neue Stammbaum vorgestellt werden. Aufgrund der Prüfungen vor der Abschlusskneipe und der Covid-19 Pandemie konnte der Baum jedoch noch nicht endgültig fertiggestellt werden und hat auch noch keinen finalen Standort gefunden. Zurzeit steht er im großen Kneipsaal und wartet auf seine Vollendung. Aber auch unfertig lässt er sich sehen! Wer will, kann jeder Zeit vorbeischauen und auf die Suche nach seinem „Blatt“ gehen.

 

 

Autor: BB Melody

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