Nachtruhestörung 1959

1958 konnte die Terrasse samt Pergola und Schenke eingeweiht werden. In der Folge wurde das Arminenhaus von den Esslinger und Stuttgarter Arminen gerne als Sommerfrische benutzt. Das heißt, am Wochenende herrschte meist reger Betrieb. Das gefiel vor Allem unserem östlichen Nachbarn nicht der sich in seiner bisher idyllischen Ruhe gestört fühlte. (Das Café Schmied wurde erst später gebaut, auch die übrige Bebauung war noch nicht so dicht.) Er reklamierte jede Kleinigkeit. Zum Beispiel beschwerte er sich mal darüber, dass einer immer lautstark Witze erzählen würde und dann würden alle Andern lauthals lachen. Er meinte damit unseren BB Schnucki. Der hatte als Vertreter ja immer die neuesten Witze auf Lager! Die Beschwerden des Nachbarn wurden daher schon nicht mehr besonders ernst genommen.

Im Sommer 1959 feierten die Esslinger Bünde (mit Beteiligung der Damen) auf der Esslinger Burg Sonnenwendfeier. Anschließend trafen wir uns noch auf dem Haus um den Tag ausklingen zu lassen. Wir saßen auf der Terrasse, tranken was und unterhielten uns. Auch hatten wir das Radio mit raus genommen und ließen Musik laufen. Es wurde später und plötzlich stand der Nachbar im Torbogen. Wir seien zu laut, er könne nicht schlafen. „Er soll halt tagsüber mehr schaffen, dann könne er nachts besser schlafen“ meinte einer leise. (Der Nachbar soll höherer Beamter an irgendeinem Stuttgarter Ministerium gewesen sein und Beamte arbeiten ja bekanntlich nichts!). Da wir alle jetzt gerade leise waren, hatte der Nachbar das aber gehört und war stinksauer und ging unter Drohungen. Wir machten weiter.

Dann, es war Mitternacht geworden, verkündigte der Radiosprecher gerade dass sie jetzt zu den Nachrichten umschalten würden. Das Umschalten dauerte damals immer etwas länger sodass kurz Funkstille herrschte. Dazu sagte noch jemand „seid mal ruhig, mal hören ob es Neuigkeiten von dem Unfall gibt.“ Abends war nämlich durchgesickert, dass es in Kirchheim am Neckar an einem Bahnübergang einen schweren Unfall mit einem Bus gegeben hatte. Wir waren neugierig auf nähere Einzelheiten. Also waren wir alle gerade mucksmäuschen still. Just in dem Augenblick erschien im Torbogen ein Polizist: „ Es sei angerufen worden wegen Nachtruhestörung!“ Der Nachbar hatte diesmal scheint‘s nicht wie sonst immer den AH-Vorstand Roland angerufen und sich bei ihm beschwert, sondern gleich die Polizei.  Und jetzt war die da. Geistesgegenwärtig hatte jemand gleich vom Radio den Stecker gezogen. „Also“, sagten wir zu dem Polizist: „Sie sind jetzt unbeobachtet die Treppe runtergekommen, haben Sie etwa was gehört?“ Das verneinte der Polizist, er habe von einer Ruhestörung nichts bemerkt. „Da sehen sie, der Anrufer war sicher unser Nachbar, der beschwert sich immer grundlos“. Der Polizist wünschte uns noch einen schönen Abend und ging. Wir räumten schnell auf und gingen jetzt auch heim. Es war ja spät genug geworden.

Erinnerung von BB Hobby

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